Enttäuschend: Lufthansa Business Class Langstrecke

Auf meinem Flug LH 484 von Frankfurt/Main nach Panama konnte ich mich mal wieder überzeugen lassen, dass die Lufthansa sich keine Mühe mehr gibt reine Transportgesellschaft zu sein. Details und Fotos im Artikel.

Buchung und der Preis

Ich habe den Flug im Rahmen meiner Reise nach Jamaika als Prämie von Miles&More gebucht. Hätte ich diesen Flug auf der LH.com gebucht, wäre der Preis zum Zeitpunkt der Buchung etwa 4.820,- Euro.

Boarding und der Zubringer

Teil der Buchung war auch ein Zubringerflug aus Berlin-Tegel, wo ich als Senator am First-Schalter einchecken konnte. Diesmal klappte die Gepäck-Abgabe sehr gut, der Mitarbeiter war sehr freundlich (was an diesem Schalter in Berlin nicht immer der Fall ist). Da ich über Nacht in Panama bleiben musste, wollte ich meinen Koffer in Panama erhalten (die Buchung ging aber weiter nach Montego Bay, Jamaika). Dies klappte ebenso problemlos.

Einzig die LH-App lieferte paar Schwierigkeiten. So zeigte sie eine komische Fehlermeldung für den nachfolgenden Flug. Aber diese App kann nicht anders und ich könnte solche Bugs aus der App unendlich lange auflisten und das bei jeder Reise…

LH-App

LH-Langstrecke Business Class: Hardware

Den Sitz kennt man inzwischen und es gibt genug Reviews für solche Flüge. Ich finde den Sitz ziemlich eng (ich selbst bin schlank) und die 2-2-2-Anordnung macht das Ganze nicht besser. Die BIZ-Kabine war vollständig ausgebucht, einen Platz am Fenster konnte ich nicht bekommen.

Was mich aber immer wieder stört, dass die Kabine nicht besonders gut gereinigt ist. Ich fand zum Beispiel eine große alte Verpackung in meinem Kopfhörer-Fach und unter meinem Monitor klebte ein Kleidungs-Aufkleber:

Müll im Kopfhörer-Fach schon beim Einsteigen
Der Passagier vor mir mochte offensichtlich Chips

Auf dem obigen Foto sieht man auch, dass der Raum rund um den Kopfhörerstecker auch schon braun beschmiert ist.

LH BIZ Langstrecke: Kritik an der Sauberkeit

Dabei fange ich nicht mal damit an diese Hardware mit der der anderen Airlines zu vergleichen. Auch über das Entertainment-System könnte ich ein Buch schreiben. Nun hat aber die Lufthansa genug eigene Experten um zu wissen, dass das Produkt schon lange in die Jahre gekommen ist.

Ebenso nervend in der Lufthansa Business und First Class: die Boardansagen erfolgen nur durch die Lautsprechen in der Kabinendecke. In beiden Reiseklassen vorn tragen die Passagiere aber geräuschreduzierende Kopfhörer – das heißt sie hören nur sehr leise bis gar nicht, was draußen passiert. Also muss man jedes Mal den Kopfhörer abnehmen um die Ansage zu hören – besonders nach dem Start ein lustiges Spiel für etwa eine Stunde… Warum spielt man die Ansage nicht parallel im Kopfhörer selbst (andere Airlines machen es auch)?

Der hier beschriebene Flug war inzwischen mein 4. oder 5. Langstreckenflug mit diesem Sitz und wirklich jedes Mal beim Verstellen fallen den Leuten Gegenstände in den Sitz hinein. Mir selbst ist es beim ersten Flug passiert, was ich ziemlich beschämend fand. Inzwischen sehe ich das Theater wie gesagt auf jedem Flug. Auch diesmal musste der Sitz meines Nachbars geöffnet werden (eine ganze Zeitschrift ist drin verschwunden) und auch diesmal hatte die Crew kein Werkzeug dazu den Gegenstand daraus zu holen. Meine Powerbank musste damals mit einer Gabel rausgeschoben werden, diesmal fummelte die Flugbegleiterin mit bloßen Händen rum während ich mit meinem Handy fürs Licht sorgte…

Wenn der Sitz so blöd gebaut ist, sollte man die Crew zumindest mit einer langen Zange ausstatten, oder? Es bleibt mir ein Rätsel und bringt uns zum Thema des Artikels: die Firma gibt sich keine Mühe.

Lufthansa BIZ Langstrecke: Service

Unsere Flugbegleiterin hat sich persönlich vorgestellt, ebenso der Purser. Letzterer überraschte nicht nur mit Freundlichkeit, sondern mit personalisierten Ansprachen für jeden Fluggast – geht doch! Mich fragte er nach dem Endziel der Reise und am Ende des Fluges beim Abschied gab es sogar ein kurzes Gespräch über Jamaika… Seine Kollegen in der First können das nicht immer, aber First gehört jetzt nicht hierher.

An jedem Sitz befand sich eine Matratze, Schlaf-Shirts wurden dagegen keine ausgeteilt. Ich fragte nach dem Grund und die Erklärung war – es sei ein Tagflug, die Shirts gibt es nur bei Nachtflügen. Nun stellt sich dann die Frage, warum eine Matratze da hängt oder das Licht in der Kabine für 9 Stunden ausgemacht wird…

Lufthansa Business Frankfurt-Panama: Catering

Vor dem Start gab es ein Getränk und mir persönlich schmeckt dieser (preiswertere) Champagner viel besser als der in der First. Geschmacksache, ich weiss. Die Weißweine waren sehr gut! Abgesehen von der Boardansage man solle bitte seinen Plastik-Becher mehrmals benutzen („der Umwelt zuliebe“!), fand ich die Getränke- sowie Speisenauswahl gut. Als Appetizer gab es Garnelen (sehr gut!):

Appetizer LH Business Class

Dann ging es mit der Gourmet-Erlebnisreise nach unten. Als Vorspeise bekam ich den sehr langweiligen Salat:

Lufthansa BIZ: Vorspeise

Und das größte Fragezeichen hinterließ die Hauptspeise: Lachs mit Perlgraupenrisotto (in einer Fütze Öl):

LH-Langstrecke: Hauptspeise

Das Gericht ist nicht besonders groß, da hat der Chef versucht die nötige Anzahl an Kalorien durch den Ölanteil zu kompensieren. Ich würde das Gericht im Flugzeug schon gar nicht anbieten, da durch das Erhitzen zwangsläufig der Fisch zu trocken wird und die Fette sich separieren. Aber wir erinnern uns an das Artikelthema.

Sorry, das Bild musste sein!

Nach etwa 9 Stunden Flug und wie immer zu knapp vor der Landung fing die Hektik an mit dem „Abendessen“. Während die Maschine schon die Landeluftlöcher durchquert, soll sich der Fluggast wohl fühlen… Es gab ein Tablett mit einer heißen Speise und diversen Nebengerichten:

Lufthansa Business Class Langstrecke: Abendessen

Der Geschmack ließe sich mit dem Mittagessen davor durchaus vergleichen. Nun ist es aber nach 9 Stunden definitiv zu wenig für erwachsene Männer. Da ich auf Reisen versuche weniger zu essen, hat es mich nur in meinem Diät-Vorhaben nur unterstützt. Mein Sitznachbar ist aber sportlicher unterwegs und hat schon etwa eine Stunde davor angefangen nervös zu werden, dass er vor der Landung nichts mehr zu essen bekommt. Das dann doch noch gereichte Abendessen reichte ihm nicht, also bat ich ihn um ein Experiment und wir fragten nach einem Nachschlag für ihn.

Die Flugbegleiterin musste vorher hinter dem Vorhang prüfen, ob sie etwas geben kann und mein schwedischer Nachbar bekam die Antwort: „Tut mir Leid, wir haben nichts mehr“… Fremdscham kann man auch für ein Unternehmen empfinden und das habe ich auf diesem Flug gelernt. Ich erwarte eigentlich, dass es genug Essen in jeder Reiseklasse vorhanden ist. Und wenn nicht, dass man vielleicht etwas aus der Premium Eco anbietet…

Lufthansa Langstrecke Business Class: Mein Fazit

Ohne große Vergleiche mit anderen Airlines zu ziehen bietet die Lufthansa für meine Begriffe schon lange kein Reiseerlebnis mehr, sondern nur eine Transportdienstleistung von A nach B.

Schwachstellen wie die IT, alte nicht saubere Hardware oder bescheidene Versorgung während des Fluges werden nur zum Teil durch den persönlichen Einsatz einzelner Mitarbeiter kompensiert. Diesen Mitarbeitern danke ich als Flug-GAST, den Rest muss ich als PASSAGIER versuchen zu vermeiden, indem ich andere Airlines fliege.

Für den Rückflug habe ich mich für Turkish entschieden, ein Bericht folgt.

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